Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit lud die Deutsche Botschaft in Uruguay zu einem Empfang ein, bei dem Botschafter Stefan Duppel in seiner Rede eine eindringliche Analyse der internationalen Lage mit einer konkreten Agenda für die Zusammenarbeit mit Uruguay verband. BILAT war vor Ort durch Co-Direktor für den Cono Sur Nahuel González vertreten.
Vom »gemeinsamen europäischen Haus« zum Krieg auf dem Kontinent
Der Tag der Deutschen Einheit erinnert an den Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung des Landes. Duppel rief in Erinnerung, dass dieser Prozess weltweit die Hoffnung auf mehr Frieden und Kooperation weckte und dass Michail Gorbatschow in Europa einst gar von einem »gemeinsamen europäischen Haus« sprach.
Der Kontrast zur Gegenwart bildete den Kern seiner Ausführungen. Russland führt heute einen Krieg auf dem Kontinent, der bereits zwei Millionen Tote und Verletzte gefordert hat – eine Zahl, die der Botschafter nachdrücklich hervorhob. Hinzu kämen Krieg und Zerstörung im Nahen Osten. Seine Frage an das Publikum war direkt: Wollen wir die Fehler des 20. Jahrhunderts wirklich wiederholen?
Abschreckung und Kooperation: Zwei gleichzeitige Weichenstellungen
Duppel erläuterte, dass Deutschland auf dieses neue Umfeld reagieren musste und unter anderem seine Verteidigungsausgaben erhöht habe. Die Begründung dafür ist konkret: Weder Deutschland noch seine europäischen Partner dürfen angesichts spezifischer russischer Bedrohungen schutzlos bleiben – dazu zählt auch der erste Drohnenangriff auf deutschem Territorium, der sich im August in Leipzig ereignete.
Der Botschafter betonte jedoch, dass diese geopolitische Härtung die Investition in ein friedliches Miteinander nicht ersetzt. Deutschland ist und bleibt der größte Beitragszahler des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Die in diesem Jahr erfolgte Verlegung von 300 UNDP-Mitarbeitenden von New York nach Bonn hob er als klares politisches Signal hervor, dass Berlin weiterhin auf den Multilateralismus setzt. Botschafter Duppel brachte es deutlich auf den Punkt: Die Antwort auf globale Herausforderungen bestehe darin, multilaterale Strukturen zu reformieren und zu stärken – nicht darin, sie abzubauen.
Uruguay: ein zunehmend sichtbarer Partner
Der zweite Teil der Rede war den bilateralen Beziehungen gewidmet und zeichnete sich durch einen bemerkenswert konkreten Ton aus. Duppel hob dabei fünf Themenbereiche hervor:
Handel. Das gemeinsame Drängen Deutschlands und Uruguays auf den Abschluss des EU-Mercosur-Abkommens »hat Früchte getragen« – nicht zuletzt dank des Impulses von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Tagung aller deutschen AHK des amerikanischen Kontinents, die Anfang Juni 2026 in Montevideo stattfand, habe gezeigt, dass Uruguay für deutsche Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Rechtsstaatlichkeit. Im Juli 2026 war Montevideo Gastgeber der »Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten lateinamerikanischer Verfassungsgerichte«. Die von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte Tagung fand unter Teilnahme des Präsidenten des Bundesverfassnungsgerichts, Prof. Dr. Stephan Harbarth, statt. Zentrales Thema war die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit in einer Region, die vielfältigen Belastungen ausgesetzt ist.
Wissenschaft. Da die Feierlichkeiten mit dem Besuch einer Delegation bayerischer Universitätsrektorinnen und -rektoren unter der Leitung von Stephanie Jacobs, Amtschefin des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, zusammenfielen, betonte der Botschafter, dass dies bereits die dritte hochrangige Delegation innerhalb weniger Monate sei, die Möglichkeiten zur vertieften Zusammenarbeit in Forschung und akademischem Austausch mit Uruguay auslote.
Landwirtschaft. Der bilaterale Austausch, der auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblickt, erstreckt sich mittlerweile auch auf Wasserressourcen sowie die gemeinsame Erforschung von Pflanzenarten, die widerstandsfähig gegen den Klimawandel sind. Mit einer Prise Humor merkte Duppel an, Deutschland wolle gewappnet sein, sobald der Klimawandel Berlin so milde Winter beschere wie der uruguayischen Pampa.
Kultur. Die Welttournee der Ausstellung »Are you for real«, organisiert vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), nahm im April 2026 in Montevideo ihren Anfang – und damit bewusst nicht in einer der naheliegenderen Metropolen. Im selben Monat startete das Balthasar-Neumann-Ensemble dort sein derzeit einziges Kooperationsprojekt auf dem Kontinent. Zudem ist Deutschland Ehrengast der Buchmesse von Montevideo
Der Botschafter schloss mit einem Albert Einstein zugeschriebenen Zitat über zwei Dinge, die unendlich zu sein scheinen: das Universum und die menschliche Dummheit. Angesichts der weltweiten Nachrichtenlage, so räumte er ein, sei man versucht, ihm recht zu geben. Seine Antwort darauf sei jedoch eine Frage der Verantwortung: gemeinsam daran zu arbeiten, dass dies nicht das letzte Wort bleibe. Zwischen Deutschland und Uruguay sei das vergangene Jahr, so sein Fazit, »ziemlich gut« verlaufen. Der Trinkspruch galt der bilateralen Zusammenarbeit sowie »ein wenig mehr politischer Klugheit und Frieden in der Welt«
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