Vom 29. September bis zum 3. Oktober 2025 waren die Städte Rivera (Uruguay) und Santana do Livramento (Brasilien) Gastgeber der Binationalen Innovationswoche, die von Área B organisiert und gefördert wurde. Unter dem Motto »Grenzen überschreiten, Brücken bauen und die Zukunft verändern« brachte die Initiative führende Persönlichkeiten, Institutionen und wichtige Akteure zu Gesprächen und Treffen zusammen, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken.
BILAT nahm an mehreren geschlossenen Sitzungen teil, die darauf ausgerichtet waren, konkrete Ergebnisse zu erzielen. Vertreten war die Organisation zudem mit einer Präsentation von Mauro D. Ríos, Leiter für Digitale Transformation.
Rivera: Geopolitik auf pragmatischer Ebene
Als binationale Stadt bilden Rivera (Uruguay) und Santana Do Livramento (Brasilien) einen einzigartigen Fleck auf der südamerikanischen Landkarte. An diesem Ort ist die Realität vielsagend: Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf Ankündigungen, sondern wird täglich praktiziert. Für BILAT dienten die Teilnahme an der Binationalen Innovationswoche und die Interaktion mit den anwesenden Akteuren dazu, die strategische Diskussion zu konkretisieren und die oft theoretisch geführte geopolitische Debatte auf eine menschliche und pragmatische Ebene zu übertragen, indem globale Dynamiken mit binationalen Herausforderungen und Strategien verbunden wurden.
Die Teilnehmenden zeigten reges Interesse daran, die aktuelle Situation in Europa und im Nahen Osten besser verstehen zu wollen. In diesem Zusammenhang spielte BILAT eine Schlüsselrolle bei der Weitergabe von Know-how, Erfahrungen, Informationen und Analysen aus erster Hand anhand seines Netzwerkes von europäischen Partnern und assoziierten Experten auf lokaler sowie internationaler Ebene. Dieser formelle wie informelle Austausch war von grundlegender Bedeutung, da es gelang, die Grenz-Realität im Nordosten Uruguays mit den Debatten zu verbinden, die aktuell die internationale Ordnung gestalten.
Diese Aktivitäten festigen die Funktion BILATs darin, strategische Wissensbrücken zwischen dem globalen Süden und Europa zu schlagen. Die Organisation bietet eine Plattform, die sicherstellt, dass die relevantesten Hintergrundinformationen und vor allem ein genaues Verständnis der globalen Dynamiken auf zugängliche und praktische Weise an lokale Akteure weitergegeben werden.
In einem internationalen Kontext, der von Spannungen geprägt ist und in dem die Staaten mehr in Sicherheit und Rüstung als in Kooperation und Multilateralismus investieren (2024. Bunde T., Eisentraut S. & Schütte L.: Munich Security Report: Lose Lose?), stellen die binationale Stadt und Area B eine funktionale Plattform für echte Integration dar. Für BILAT bedeutet dies eine taktische Aussage und eine gemeinsame Vision für die Zukunft mit jedem einzelnen der Akteure, mit denen ein Austausch stattfand. Die Zusammenarbeit und die private Diplomatie zwischen Deutschland und Uruguay beschränkt sich nicht auf die diplomatischen Zentren, sondern wird auch an den Rändern, an den Grenzen, aufgebaut, Dort kann man aus nächster Nähe beobachten, wie Uruguay und Brasilien, zwei Nationen mit strategischem Charakter für Deutschland und Europa, ihr Zusammenspiel perfektionieren.
Eine strategische Agenda für die biregionale Zusammenarbeit
Mit dem stellvertretenden Direktor der Universität Universidad del Trabajo del Uruguay (UTU), Prof. Wilson Netto wurden die aktuelle Situation der Hochschulzentren und die Notwendigkeit der Entwicklung lokaler Knotenpunkte, die das Bildungsangebot mit den realen Problemen der Gemeinschaft verbinden, analysiert. Dabei hervorgehoben wurde die Bedeutung der Konsolidierung des Regionalen Technologischen Instituts Nord (ITR Norte) der Technologischen Universität Universidad Técnológica (UTEC) in Rivera als binationaler technologischer und logistischer Pol, der für die Entwicklung des Landesinneren und die Verbindung mit der Innovationslandschaft Deutschlands von zentraler Bedeutung ist.
Auf der Tagesordnung des Treffens stand die Sondierung möglicher Stipendien- und Austauschprogramme mit führenden deutschen Bildungseinrichtungen, um neue Wege zur Unterstützung von Bildungsangeboten für Studenten zu eröffnen.
Prof. Netto bereicherte den Tag mit einer Überlegung von großem kulturellem Wert und erinnerte an die historischen Verbindungen zwischen dem Künstler und Pädagogen Pedro Figari und der Stadt München. Er unterstrich den Einfluss, den diese Verbindung auf dessen künstlerisches Schaffen hatte, und deutete an, dass die Wiederherstellung dieser kulturellen Brücken neue Initiativen und Kooperationsprojekte zwischen den beiden Ländern direkt inspirieren könnte.
Innovation, künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit
Als einer der Höhepunkte auf der Agenda stand der Vortrag von Mauro D. Ríos, Leiter für Digitale Transformation bei BILAT, Berater des uruguayischen Parlaments sowie einer der Gründer der Agentur für die elektronische Regierung und die Informations- und Wissensgesellschaft (AGESIC), nationales Unternehmen für digitale Transformation und öffentliche Innovationspolitik.
Ríos hielt einen Vortrag mit dem Titel »Die Neue Industrielle Revolution: KI und Beruf«, in dem er die strukturellen Auswirkungen von Automatisierung, Digitalisierung und neuen produktiven Arbeits- und Bildungsmodellen analysierte. Sein Beitrag stieß auf lebhaftes Interesse bei allen Teilnehmenden und führte zu einem regen Austausch mit Lehrbeauftragten, Schülerinnen und Schülern sowie lokalen Behörden.
Die Anwesenheit eines Experten mit direkter institutioneller Erfahrung, der in der Lage ist, globale technologische Debatten mit der uruguayischen Realität zu verknüpfen, wurde als hervorragende Chance für Rivera und die nördliche Region wahrgenommen. Und das nicht nur aufgrund der Qualität der Analyse, sondern auch, weil es genau das repräsentiert, was BILAT anstrebt: Brücken schlagen, zwischen praktischer Erfahrung, strategischer Überlegung und internationaler Zusammenarbeit.
Die außergewöhnliche Resonanz auf den Vortrag bestätigte die Relevanz des Ansatzes, den BILAT verfolgt, denn er verbindet eine geopolitische Perspektive mit der technischen Fähigkeit, große globale Herausforderungen wie künstliche Intelligenz in lokal anwendbare Politik und Projekte zu übertragen.
Strategische Zusammenarbeit mit der UTEC:
Sicherheit, Wissen und regionale Ausweitung
Das Treffen am Hauptsitz der UTEC in Rivera war von großer strategischer Bedeutung. Die BILAT-Delegation führte einen ausführlichen Austausch auf höchster Ebene mit Prof. Mag. Marcelo Ubal, Berater der Institution und akademischer Leiter der UTEC Nord, mit Prof. Ricardo Grando sowie anderen angesehenen Mitgliedern und Professoren der Technischen Universität. Der Dialog konzentrierte sich darauf, konkrete Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen BILAT und der UTEC zu identifizieren. Das Hauptaugenmerk dieser potenziellen Zusammenarbeit liegt auf dem Aufbau nachhaltiger Verbindungen zwischen dem uruguayischen Bildungssystem und europäischen Wissens- und Innovationsnetzwerken. Treffen dieser Art unterstreichen die Aufgabe BILATs, Brücken zu bilden, um die internationale Ausweitung sowie die akademische Stärkung wichtiger Einrichtungen im Landesinneren Uruguays zu gewährleisten.
Im südamerikanischen Bildungssystem nimmt die UTEC eine einzigartige Stellung ein. Die tiefe territoriale Verankerung und die aktiven Verbindungen zu Universitäten und Instituten in Brasilien und Argentinien – ein Netzwerk aus mehr als 65.000 Forschern – machen Rivera zu einem geografischen Epizentrum für angewandtes Wissen. Dies macht die UTEC zu einem natürlichen Partner für biregionale Kooperationsprojekte zwischen Uruguay, Deutschland und der Europäischen Union.
Bei der Vorstellung der in horizontale und vertikale Dimensionen gegliederten Aktionsbereiche der UTEC wurden konkrete Möglichkeiten für den Transfer deutscher Erfahrungen aufgezeigt, wie z.B. die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Experten wie Dr. Christopher Nehring, Direktor des cyberIntelligence.institute in Deutschland, wodurch eine Brücke mit strategischem Know-how gebildet werden kann.
Die untersuchten Bereiche der Zusammenarbeit deckten ein breites Spektrum ab, aber ein Thema erwies sich als besonders relevant: die Sicherheit, mit besonderem Schwerpunkt auf der Anwendung von Technologien zu deren Stärkung.
Auch eines der Hauptanliegen der UTEC, die hohen Schulabbrecherquoten, wurde in diesem Rahmen erörtert. Hervorgehoben wurde, dass die Zusammenarbeit mit BILAT eine Möglichkeit bietet, diese Herausforderung auf innovative Weise anzugehen. Zudem wurde die Möglichkeit untersucht, die akademischen Inhalte zu verbessern und Themen von strategischem Interesse mittels des BILAT-Netzwerkes einzubeziehen. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Motivation und die Zielstrebigkeit der Studierenden deutlich zu erhöhen und so die Mechanismen zur Bindung an die Hochschule und die akademische Kontinuität innerhalb der Einrichtung zu stärken.
Die institutionelle Bereitschaft der UTEC, sich in die von BILAT geschaffene Umgebung einzufügen, die die Bildungsdimension mit der politischen, diplomatischen und technologischen Zusammenarbeit verbindet, spiegelt eine vorausschauende und langfristige Vision wider, die darauf abzielt, einen internationalen Bildungsraum zu schaffen, der einen echten Einfluss auf die Integration des Mercosur und die Stärkung der europäisch-lateinamerikanischen Verbindung hat.
Auch die Verbindung zu den zentralen Themen der Münchner Sicherheitskonferenz wurde angesprochen. In diesem Zusammenhang wurde das Potenzial Uruguays als zuverlässiger Partner in Schlüsselbereichen der internationalen Zusammenarbeit hervorgehoben. Diese Rolle ist im Wesentlichen durch die strategische Nutzung der binationalen Grenze und der Área B gerechtfertigt, das als Pilotprojekt für die Demonstration der Fähigkeit zur Integration, Entwicklung und Zusammenarbeit mit internationalen Standards gilt.
Das Treffen gipfelte in einer institutionellen Zusage von hohem strategischem Wert: die Einrichtung einer Arbeitsgruppe mit BILAT. Diese Instanz wird einen multisektoralen und binationalen Charakter haben und politische, wirtschaftliche, akademische, fachliche und diplomatische Akteure aus Uruguay und Deutschland zusammenbringen.
Angewandte Innovation und Sicherheit: die Erfahrung der UTEC mit Robotik und Drohnen
Im Anschluss an das Treffen besuchte die BILAT-Delegation eines der Labore für Robotik der UTEC, um sich aus erster Hand ein Bild von der technischen Arbeit machen zu können, die von Studierenden und Forschenden in einem Umfeld mit fortschrittlicher Infrastruktur und internationaler Ausweitung entwickelt wird.
Während des Besuchs wurden Fragen im Zusammenhang mit dem gezielt taktischen Einsatz von Drohnen und der Entwicklung der hybriden Kriegsführung in Europa erörtert, da die UTEC aktive Forschungslinien in diesem Bereich entwickelt. In diesem Zusammenhang besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung der Einbindung europäischer Experten mit praktischer Erfahrung im Einsatz von Drohnen in realen Szenarien, insbesondere in Konfliktgebieten wie der Ukraine. Dieser Austausch stellt eine Gelegenheit dar, die technische Zusammenarbeit und die Ausbildung im Bereich der inneren Sicherheit zu stärken, einem Bereich, in dem die UTEC ein genaues Verständnis der globalen Trends beweist.
Erinnert wurde auch an die internationale Anerkennung der UTEC-Studierenden, die bei der Robotik-Weltmeisterschaft in Deutschland den ersten Preis gewonnen haben, was das Prestige und die Innovationsfähigkeit der Einrichtung auf globaler Ebene festigt.
Besonders danken möchten wir Roberto Martínez für die Einladung und Organisation.
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