Zum Inhalt springen

Uruguayisch-Deutsche Gesellschaft für Außenpolitik

Home » Alle unsere Publikationen » Diplomatie mit Prinzipien: Interview mit dem ukrainischen Botschafter Yurii Klymenko über die Rolle Uruguays im Ukraine-Krieg

Diplomatie mit Prinzipien: Interview mit dem ukrainischen Botschafter Yurii Klymenko über die Rolle Uruguays im Ukraine-Krieg

In einer Zeit, in der der Krieg in Europa die globalen Gleichgewichte neu definiert, rechnet die Ukraine mit einer größeren Rolle für Lateinamerika und insbesondere für Uruguay. In einem Gespräch mit BILAT hob der ukrainische Botschafter in Argentinien,Yurii Klymenko, während seines Besuchs in Uruguay die politische und moralische Bedeutung des südamerikanischen Landes bei der Verteidigung der auf demokratischen Normen und Werten basierenden internationalen Ordnung hervor, vor allem aber die Bedeutung Uruguays als internationaler Partner, über die selten gesprochen wird. 

»Uruguay ist ein wichtiger Partner in Lateinamerika, ein freundliches Land, das sich den Menschenrechten und dem Völkerrecht verpflichtet fühlt.«,betonte der Botschafter. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 schätzt Kiew die ständige Unterstützung Montevideos in multilateralen Gremien, insbesondere in der UN-Generalversammlung.

Embajador Yurii Klymenko junto al Presidente de Uruguay Prof. Yamandú Orsi. Fuente: Presidencia del Uruguay.
Botschafter Yurii Klymenko zusammen mit dem Präsidenten von Uruguay, Prof. Yamandú Orsi. Quelle: Präsidentschaft von Uruguay.

Der Botschafter hob die Unterstützung Uruguays für UN-Resolutionen hervor, die die russische Aggression verurteilen und die ukrainische Souveränität verteidigen. »Wir sehen Uruguay als ein Land, das die Ukraine seit dem ersten Tag der umfassenden Invasion unterstützt hat und weiterhin unterstützt.«, betonte er. Der Diplomat bekräftigte die Hoffnung seines Landes darauf, dass diese Begleitung im Laufe der Zeit beibehalten wird, insbesondere in multilateralen Plattformen, in denen internationale Friedensinitiativen, die von Kiew zusammen mit seinen europäischen und transatlantischen Partnern gefördert, debattiert werden.

Die humanitäre Dimension: die von Russland verschleppten Kinder

Klymenko betonte, dass ein Beitritt Uruguays zur internationalen Koalition für die Rückkehr der von Russland verschleppten Kinder für seine Regierung von großer Bedeutung wäre, da diese eine der dringendsten humanitären Initiativen Kiews darstellt. »Mehr als 20 000 ukrainische Kinder wurden entführt und nach Russland gebracht. Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir wissen, dass Uruguay bei der Verteidigung der Kinderrechte eine führende Rolle spielt, und wir sind zuversichtlich, dass es sich dieser von Kanada und der Ukraine gemeinsam geführten Koalition anschließen kann.«, sagte er. In diesem Zusammenhang begrüßte der Botschafter auch die Anwesenheit uruguayischer Vertreter bei dem hochrangigen Treffen während der 80. Sitzung der UN-Generalversammlung, das den vertriebenen ukrainischen Kindern gewidmet war. »Wir schätzen die Teilnahme des uruguayischen Außenministers sehr. Sie setzt ein klares Zeichen der Solidarität mit unserem Volk.«, fügte er hinzu.

Internationale Plattformen und Diplomatie mit Prinzipien

Über die humanitäre Front hinaus unterstützt die Ukraine auch andere multilaterale Gremien wie die Internationale Krim-Plattform, die als diplomatisches Instrument konzipiert wurde, um die Frage der russischen Besatzung auf der globalen Agenda zu halten und um auf die Wiederherstellung der territorialen Integrität des Landes hinzuwirken. »Wir hoffen, dass Uruguay in der Lage sein wird, sich aktiv an dieser Plattform zu beteiligen, da es das Völkerrecht seit jeher verteidigt und sich an die Grundsätze der UN-Charta hält.«, sagte Klymenko.

Al margen de la 80.ª sesión de la Asamblea General de la ONU en Nueva York, se celebró la Cumbre de Líderes de la Coalición Internacional para el Retorno de los Niños Ucranianos, copresidida por el presidente de Ucrania, Volodímir Zelenski, y el primer ministro de Canadá, Mark Carney.
Am Rande der 80. Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York fand der Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Internationalen Koalition für die Rückkehr der ukrainischen Kinder statt, der vom Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und dem Premierminister Kanadas, Mark Carney, gemeinsam geleitet wurde. Quelle: Ukrainische Regierung

Der Botschafter betonte, dass der Krieg zwar ein europäisches Epizentrum habe, seine Folgen jedoch weit über die Grenzen des Kontinents hinausgingen: »Dieser russische Krieg richtet sich nicht nur gegen die Ukraine. Er richtet sich gegen alle Prinzipien, an die wir glauben: die menschlichen Werte, das Völkerrecht und das globale System, das auf Normen und Regeln beruht.«

Die Position Kiews: um Frieden zu schaffen, erfordert es höheren Druck auf den Agressor

Klymenko wies nachdrücklich darauf hin, dass Russland keine Bereitschaft zeige, um echten Frieden zu erreichen, und dass jegliche Verhandlungen zunächst die Einstellung der massiven russischen Angriffe auf die zivile und kritische Infrastruktur der Ukraine sowie auch die Einrichtung einer glaubwürdigen Regelung für einen Waffenstillstand erfordern. »Putin setzt auf den Krieg, und er zeigt keine Absicht, ihn zu beenden. Deshalb brauchen wir mehr Druck auf den Aggressor, mehr Solidarität und mehr Unterstützung, vor allem militärischer und technischer Art, um die diplomatische Front zu stärken.«, mahnte er.

Das Ziel der Ukraine sei nicht ein vorübergehender Waffenstillstand, sondern ein gerechter, dauerhafter und nachhaltiger Frieden, der die Sicherheit Europas garantiere und den Grundsatz der Souveränität als Pfeiler des internationalen Systems bekräftige. Bei diesen Bemühungen kann die uruguayische Diplomatie eine einzigartige Rolle spielen, denn Uruguay hat Glaubwürdigkeit, es hat Prinzipien und es hat eine Stimme. Seine politische und moralische Unterstützung könnte eine Wirkung erzielen.

Ein Akteur mit strategischem Einfluss

Die Vision des Botschafters deutet auf eine umfassendere Lesart hin, und zwar, dass im 21. Jahrhundert mittlere und kleine Akteure, wenn sie von Werten, Kohärenz und aktiver Diplomatie getragen werden, echten Einfluss auf globale Fragen ausüben können. In diesem Sinne wird Uruguay von Kiew als zuverlässiger und berechenbarer Partner wahrgenommen, der in der Lage ist, Brücken zwischen Lateinamerika und Europa zu bauen.

»Uruguay ist ein demokratisches Land, das sich den menschlichen Werten und dem Völkerrecht verpflichtet fühlt. Für uns ist diese Position wichtig, weil sie symbolisiert, dass das Recht noch Verbündete in der Welt hat.«, so Klymenko abschließend.

Erfahren Sie mehr

Veröffentlichung der Zeitschrift #4

Veröffentlichung der Zeitschrift #4

Strategische Analyse, internationale Sicherheit und Außenpolitik in einer Welt im Bruch. Exklusive Interviews und harte…

Europa altert: Chancen für eine faire Fachkräftepartnerschaft mit Lateinamerika

Europa altert: Chancen für eine faire Fachkräftepartnerschaft mit Lateinamerika

Europa altert und verliert Fachkräfte. Lateinamerika verfügt über junge, qualifizierte Arbeitskräfte ohne ausreichende Perspektiven. Der…

Debrief 1/2025. Hybride Kriegsführung: strategische Herausforderungen für Uruguay und Europa

Debrief 1/2025. Hybride Kriegsführung: strategische Herausforderungen für Uruguay und Europa

Im Rahmen einer strategischen Konferenzreihe zum Thema Cybersicherheit, Hybride Kriegsführung und Desinformation hat BILAT am…